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PowerPoint-Karaoke Interview mit Remco, Aniek und Paul aus den Niederlanden

Januar 31, 2026

PowerPoint-Karaoke verwandelt zufällige Folien in einen Spielplatz für Selbstvertrauen, Storytelling und schnelles Denken. Der niederländische Präsentationscoach und Moderator Remco Verwaijen („Remco Presenteert“) leitet lebhafte Workshops, die Improvisation mit praktischem Coaching verbinden und Fachleuten und Studenten helfen, klar und selbstbewusst zu präsentieren. Zusammen mit seinen Kollegen Aniek van Onzenoort und Paul te Hietbrink organisiert und moderiert er PowerPoint-Karaoke-Veranstaltungen in den gesamten Niederlanden.

Hallo Remco, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst!

Kein Problem, es ist mir immer eine Freude, mit einem anderen PowerPoint-Karaoke-Fan zu sprechen!

Bitte stelle dich und deine beiden Kollegen unseren Lesern kurz vor – wer seid ihr?

Ich bin Remco, Moderator, Präsentationscoach und Comedian aus den Niederlanden. Zusammen mit zwei brillanten Comedian-Kollegen, Aniek van Onzenoort und Paul te Hietbrink, moderiere ich PowerPoint-Karaoke-Sessions in den Niederlanden. Wir haben alle dasselbe Ziel: Menschen dabei zu helfen, mehr Spaß auf der Bühne zu haben und sich dabei sicher zu fühlen.

Aniek: Tagsüber arbeite ich an der Modernisierung von Zügen. Nachts bin ich Stand-up-Komikerin. Ich habe auch schon Improvisationstheater gemacht und das hat mir ebenfalls gefallen. Als Paul und ich zur Teilnahme an den niederländischen Meisterschaften eingeladen wurden, habe ich sofort zugesagt, und hinterher haben wir beschlossen, dass das viel zu viel Spaß macht, um es nur einmal zu machen.

Paul: Hallo! Wie Remco schon sagte, bin ich ein brillanter Comedian, obwohl ich schon eine ganze Weile nicht mehr aufgetreten bin. Aber es ist ein bisschen wie bei Einstein: Wahre Genies sind faul, sagt man. Neben meiner Tätigkeit als Moderator von Powerpoint-Karaoke bin ich Koch für pflanzliche Küche mit meinem eigenen Catering-Unternehmen und absolviere eine Ausbildung zum Provokationscoach – eine Art von Coaching/Therapie, die Humor (zum Glück!), Herausforderungen und Mitgefühl in sich vereint.

Wie und wo habt ihr euch kennengelernt und wie kam es dazu, dass ihr gemeinsam PowerPoint-Karaoke-Veranstaltungen organisiert?

Wir lernten uns in der niederländischen Comedy-Szene kennen und entdeckten schnell unsere gemeinsame Liebe für das schöne Chaos der Improvisation. Paul wusste, dass ich als Moderator und Präsentationstrainer arbeitete, und kam mit der Idee auf mich zu, PowerPoint-Karaoke-Sessions zu organisieren. Bei der allerersten Testveranstaltung trat er zusammen mit Aniek auf, und da ging es dann richtig los.

Wann habt ihr erkannt, dass es euch Spaß macht, Menschen bei Präsentationen zu unterstützen?

Remco: Ich war nicht das Kind, das sich hinter einem Buch versteckte; ich liebte es, Geschichten zu erzählen. Später, als ich mit dem Theater anfing, sah ich plötzlich, wie mein Hobby (Schauspielerei) und mein Beruf (Kommunikation) wie Puzzleteile zusammenpassten. Da wusste ich: Menschen bei Präsentationen zu helfen, ist genau das, wozu ich geschaffen bin.

Paul: Ich finde, dass Menschen sich weniger verstecken und ihr wahres Ich zeigen sollten. Ich denke, dass PowerPoint Karaoke ein Hilfsmittel sein kann, das Menschen dabei hilft, auf der Bühne oder bei Präsentationen lockerer zu werden und ihnen mehr Ruhe und Gelassenheit verleiht. Ich finde es toll, wenn ich sehe, wie Menschen sich öffnen und Fähigkeiten entwickeln, von denen sie nicht gedacht hätten, dass sie sie haben.

Aniek: Während meiner Zeit als Vorsitzende meiner Studentenvereinigung stellte ich fest, dass mich das öffentliche Sprechen und Leiten von Veranstaltungen faszinierte. Ich fand es beängstigend, aber auch sehr erfüllend, wenn es gut lief. Ich fand einen Job in einem Unternehmen, das auch Präsentations- und Storytelling-Trainings anbot, und dort entdeckte ich, wie toll es war, Menschen dabei zu helfen, ihre Angst zu überwinden und selbstbewusst zu präsentieren.

Welche Herausforderungen beobachtet ihr bei Präsentatierenden am häufigsten?

Remco: Die meisten Menschen glauben, sie müssten „auftreten“, anstatt einfach nur eine Verbindung herzustellen. Sie denken zu viel über ihre Folien nach und zu wenig über ihre Geschichte und ihre Präsenz. Und fast alle vergessen zu atmen, was meiner Erfahrung nach während einer Präsentation sehr nützlich ist.

Aniek: Wie Remco sagt, werden viele Menschen auf der Bühne zu einer anderen Person. Wenn man sie alleine anspricht, sind sie charmant, witzig und intelligent. Auf der Bühne denken sie zu viel nach. Ich glaube, einer der Gründe dafür ist, dass Menschen den Erfolg ihrer Performance an Dingen messen, die sie nicht (vollständig) kontrollieren können. Wie zum Beispiel die Reaktion des Publikums. Es hilft, wenn man seinen Erfolg so definiert, dass man selbst den vollen Einfluss darauf hat.

Paul: Überdenken! Die Leute sind so verkrampft und haben solche Angst, Fehler zu machen, dass sie fast erstarren oder eine roboterhafte Präsentation abliefern. Wir möchten die Leute dazu einladen, sich so zu zeigen, wie sie wirklich sind, und sich einfach zu entspannen.

Was ist ein häufigste Fehler, den ihr beobachtet, und welche praktische Lösung können die Leser diese Woche ausprobieren?

Fehler: Der Versuch, alles perfekt auszudrücken, anstatt eine Sache klar zu sagen.

Lösung: Bevor Du beginnst, schreibe Dir nur einen Satz auf: „Wenn mein Publikum sich nur DIESE eine Sache merkt, bin ich zufrieden.“ Sag ihn laut. Plötzlich wird Deine gesamte Präsentation leichter und fokussierter.

Viele Menschen leiden unter Lampenfieber. Welche konkreten Techniken empfehlt ihr vor einem Auftritt – körperlich, mental, stimmlich?

Körperlich: Schüttele Deine  Arme und Schultern aus, um Verspannungen zu lösen. Ein lockerer Körper sorgt für einen lockeren Geist.

Geistig: Filme Dich während der Probe und schaue Dir das Video anschließend an. So siehst Du, wie Du tatsächlich wirkst, und ein Großteil der Ungewissheit verschwindet.

Stimmlich: Summe 30 Sekunden lang. Das wärmt Deine Stimme auf und beruhigt gleichzeitig Dein Nervensystem.

Nervosität bei Erstauftritten: Welche Techniken vor dem Auftritt (Körper, Atmung, Konzentration) helfen nervösen Rednern am meisten?

Körper: Stelle Dich mit den Füßen hüftbreit auseinander hin und beuge Deine Knie leicht. Ein geerdeter Körper signalisiert Deinem Gehirn: „Wir sind in Sicherheit.“

Atmung: Atme länger aus als ein. Das verlangsamt Deine Herzfrequenz und bringt Dich zurück in den Moment.

Fokus: Filme Dich vor Deinem Vortrag 20 bis 30 Sekunden lang beim Üben. Wenn Du dir das Video ansiehst, verliert sich ein Großteil Deiner Angst. Du wirst feststellen, dass Du viel selbstbewusster wirkst, als es sich anfühlt. Diese kleine Realitätsprüfung wirkt Wunder bei nervösen Rednern.

In zwei Zeilen: Was ist PowerPoint-Karaoke – und warum eignet es sich als Trainingsmethode?

Bei PowerPoint-Karaoke präsentierst du eine Geschichte anhand von Folien, die du noch nie zuvor gesehen hast.

Das funktioniert, weil es dich zu Spontaneität zwingt: Improvisation, Geschichtenerzählen und Präsenz. Und genau das ist der Kern einer guten Präsentation.

Nehmt uns einmal mit hinter die Kulissen: Wie strukturiert ihr eine typische PowerPoint-Karaoke-Sitzung (Aufwärmen, Regeln, Zeit, Feedback), damit Anfänger sich sicher fühlen und bereit sind, es auszuprobieren?

Wir beginnen mit einem unterhaltsamen Warm-up, um die Teilnehmer aus ihrer Reserve zu locken. Danach erklären wir die einfachen Regeln und zeigen ein oder zwei Demo-Präsentationen, damit jeder weiß, was ihn erwartet. Dann sind die Teilnehmer an der Reihe: Sie erstellen gegenseitig Slide-Decks oder üben gemeinsam in der Gruppe. Und schließlich das große Finale: Freiwillige gehen auf die Bühne und halten eine echte PowerPoint-Karaoke-Präsentation.

Wir beenden die Veranstaltung immer mit konstruktivem Feedback, das sich auf das konzentriert, was gut funktioniert hat. Das Ziel lautet: Sicherheit geht vor, Chaos kommt erst an zweiter Stelle.

Ihr habt bereits mehrere PowerPoint-Karaoke-Shows und zahlreiche freiwillige Redner gesehen. Welche drei Tipps habt ihr für Neulinge?

1. Erkläre die Folie nicht, reagiere darauf.

2. Verwende kurze Sätze. Panik liebt lange Sätze.

3. Nimm das Absurde an. Das Publikum belohnt Mut, nicht Perfektion.

Du bietets auch Präsentationstrainings und PowerPoint-Karaoke als Teambuilding-Aktivitäten an: Welche Lernziele setzt du für Gruppen – und woran erkennst du, dass das Eis am Ende wirklich gebrochen ist?

Wir streben nach Spontaneität, klarerer Kommunikation unter Druck und mehr Vertrauen innerhalb der Gruppe. Ich weiß, dass das Eis gebrochen ist, wenn die Leute anfangen, sich gegenseitig anzufeuern, und wenn die stillste Person im Raum sich plötzlich freiwillig meldet, als Nächste dran zu sein.

Storycraft auf unsinnigen Folien: Welche 2–3 Methoden lehren/empfehlen Sie zuerst und warum gerade diese?

1. Die „Weil”-Technik: Jede Folie wird zum logischen nächsten Schritt, weil Du die Logik bestimmst.

2. Der Charakter steht an erster Stelle: Tun Sie so, als wären Sie jemand anderes. Das befreit Sie von Selbstkritik.

3. Die dreiteilige Geschichte: Situation, Überraschung, Lösung. Funktioniert sogar bei einer Folie mit einem verwirrten Alpaka.

Gibt es einen Comedian auf der Welt, mit dem ihr gerne einmal zu Mittag essen würden, und wenn ja, warum?

Remco: Ich würde gerne mit Ricky Gervais zu Mittag essen. Ich liebe es, wie er scharfen, furchtlosen Humor mit Ehrlichkeit verbindet, selbst bei den unangenehmsten Themen. Und in Sachen Improvisation ist Robin Williams mein Vorbild. Seine Fähigkeit, Charaktere, Rhythmen und Emotionen in Sekundenbruchteilen zu wechseln, war pure Magie.

Was sind eure drei Lieblingsbücher?

Remco: „Talk Like Ted“ von Carmine Gallo

Aniek: „Finding your comic genius“ von Adam Bloom

Paul: „Ich, Jan Cremer“

Ihr seid auch in den sozialen Medien aktiv? Wie und wo kann man euch online folgen?

Remco: Ja! Ihr findet mich auf Instagram und LinkedIn unter Remco Presenteert. Ich teile dort Tipps, Geschichten und Einblicke hinter die Kulissen von Workshops, Comedy und natürlich PowerPoint-Karaoke-Shows.

Aniek: Instagram

Paul: LinkedIn und auf Instagram poste ich hauptsächlich über Essen.

Lieber Remco, liebe Aniek und lieber Paul, das war sehr informativ, vielen Dank! Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Vielen Dank! Das hat viel Spaß gemacht, und wenn eure Leser jemals selbst PowerPoint-Karaoke in den Niederlanden ausprobieren möchten … Ich kenne da ein paar Leute.

Remco Verwaijen | Presentationcoach & Comedian

Aniek van Onzenoort | Stand up Comedian

Paul te Hietbrink | Stand up Comedian

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